Dienstag, 24 Februar 2015 10:58

Indizierte Spiele Let's Plays auf Youtube

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Mit einer Blitzindizierung setzt die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien(BPjM" zu Beginn des Monats das Zombie-Spiels "Dying Light" auf die schwarze Liste. Gleichzeitig werden Youtuber gebeten, Let's Plays dieses Spiels, und auch anderer Titel ohne Jugendfreigabe, offline zu nehmen.

Auch wenn dieser Beitrag nicht gerade in das durchgehende Thema „Urheberrecht im Internet“ passt, will ich zu diesem Thema einen Kommentar verfassen. Zum einen weil es mich interessiert, zum anderen da auf vielen Plattformen wüste Beschimpfungen zu diesem Thema verfasst werden, die ich für Ungerechtfertigt halte. Zum rechtlichen Aspekt zu Let’s Plays habe ich bereits hier geschrieben.

Was bedeutet die Indizierung

Erst mal gilt zu klären, was mit Spielen, die auf dem Index stehe, geschieht und wie diese dort landen. Während der Entwicklung und vor der Veröffentlichung arbeitet die Spieleindustrie mit Prüfstellen wie der USK oder NICAM zusammen, um eine gerechtfertigte Altersbeschränkung  für ihr Spiel zu erlangen. Während der Hersteller im PEGI-System anhand eines Bewertungsbogens selbst eine Empfehlung erstellt und diese an die NICAM zur Überprüfung übergibt, wird das Spiel bei der USK selbstgetestet einem Gutachtergremium vorgelegt, welches dann eine Alterseinstufung vornimmt.

Zur BPjM gelangt ein Spiel nur, falls es von der USK im Prüfverfahren nicht gekennzeichnet oder dieser nicht zur Prüfung vorgelegt wird. Publisher verzichten, wie auch im Fall Dying Light auf eine Prüfung, die sehr wahrscheinlich zur BPjM gelangt um auf die Kosten der USK zu verzichten. Die BPjM testet das Spiel dann im eigenen Haus und stellt es dann, wie auch die USK, einen Gremium vor, was über eine Indizierung abstimmt.

„Indizierung = Verbot – Erwachsenen werden in Ihrer Entscheidung eingeschränkt

Anders als oft behauptet, entspricht die Indizierung keinem Verkaufs- oder Spieleverbot. Ein Titel vom Index darf lediglich nur „unter der Hand“, also auf explizite Nachfrage, an volljährige Kunden verkauft und in jegliche Jugendzugänglichen Medien nicht öffentlich beworben oder in Verkaufsräumen ausgelegt werden.

Aufgrund dieses Werbeverbotes wurde unter anderem der Youtuber Sarazar von der Prüfstelle angewiesen, seine Let`s Plays offline zu nehmen. Da Youtube eine öffentliche Plattform ist und die Altersbeschränkung von jedem 5-Jährigen umgangen werden kann, werden Inhalte des Spiels ganz klar einer Zielgruppe zugänglich gemacht, die diese nicht sehen sollten oder „dürfen“.

Wochen zuvor wurde Sarazar ebenfalls aufgefordert, Let’s Plays zu Spielen ab 18 Jahren zu löschen, da auch hier Minderjährige Einblicke in das Spiel erhalten.

Wirksamkeit der Maßnahmen

Die Bundesprüfstelle handelt hierauf jeden Fall rechtlich Korrekt und auch Sarazar, welcher Anweisung folgte, beginge sonst eine Straftat. Dies gilt für jeden Youtuber und jedes Unternehmen mit Sitz in Deutschland und gerade hier liegt der Haken.

Youtube ist eine internationale Plattform. Gerade durch die Indizierung wird das Interesse der Jugend größer, denn verbotene Früchte schmecken bekanntlich besser.  Da das deutschsprachige Ausland nach dem PEGI System geht, welches doch ein großes Stück liberaler ist, stellt es daher kein Problem dar, sich ein Let’s Play des Spiels auf Deutsch oder Englisch anzuschauen.

In der Folge ist das offline nehmen also mehr als sinnlos, da zwar aus Deutschland kein Material kommt, es trotzdem aus anderen Ländern der Welt frei und unbeschränkt erreichbar ist, und das auch in deutscher Sprache. Eben dies gilt auch für 18’ner Titel und da eine universelle Altersbeschränkung auf Youtube durch die verschiedenen Prüfsysteme und daraus folgenden Altersfreigaben nicht unbedingt möglich ist, wird es wohl auch sinnlos bleiben.

Weitere Informationen

Gelesen 1530 mal Letzte Änderung am Dienstag, 24 Februar 2015 12:04
David Christian

Ich bin Student der Sozioinfomatik an der TU KaiserslauternSeit meinem Abitur bin ich zudem am Fraunhofer IESE als Praktikant bzw. HiWi angestellt.

Dieser Blog entsteht im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Sozioinformatik" der TU Kaiserslautern.

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