Dienstag, 04 November 2014 00:00

Kinox.to & Boerse.bz - Das Geschäft mit dem Raubkopieren

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Über die Gründe des illegalen Filmkonsums und warum die Angebote der Streaming-Anbieter nicht das halten könne, was die Nutzer erwarten.

Kino.to und Movie2k.to - beides  bereits geschlossene Seiten, deren Betreiber bereits zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Seit Oktober 2014 sind nun die Retortenseiten Kinox.to und Movie4k.to im Visier der GVU und Staatsanwaltschaft, allerdings mit mäßigem Erfolg, denn die Seiten sind noch immer Online.

Warum begehen die Betreiber den bewussten Urheberrechtsvertoß?

Der erste Grund: Es ist profitabel! Kino.to gehörte 2011 laut Alexa Internet mit täglich 4 Mio. Klicks zu den 50 meistbesuchten Webseiten Deutschlands, was den Betreibern durch Werbepartner und Micropayments rund 2 Mio Euro pro Jahr einbrachte; Schätzungen zufolge lagen die Einnahmen von Kinox.to bei weit mehr als dem Doppelten.

Gründe für diese Klickzahlen gibt es viele und ein Teil der Schuld ist auch denen zuzuweisen, die sich geschädigt fühlen: Filmstudios und Kinobetreiber. Die Schlagzahl der Blockbuster nimmt gefühlt fast jährlich zu, ebenso die Preise für Kinotickets.

Preisbeispiel:

Zahlte ich mit 15 noch "teure" 7-8 Euro pro Film mit Überlänge, Zahle ich heute, 8 Jahre später, z.b. 7,70€ + bis zu 2€ Überlängenzuschlag + 3€ 3D Zuschlag = 12,70€ und das unter der Woche (Preise UCI KL) mit Studentenrabatt. 

Kommen dann noch Popcorn und Getränk dazu, ist man schnell bei über 16€. Für viele Jugendliche sind daher die Kosten für Kinobesuche zu hoch; man verzichtet lieber auf Bildqualität und streamt sich den Film bei eben diesen "Anbietern".

Warum nicht wie die Musikindustrie?Netflix, einer der größten Streaming Anbieter für Filme und Serien

Ein weiterer Grund ist die Unfähigkeit der Filmstudios und TV-Broadcaster, sich der Zeit anzupassen. Die Musikindustrie hat in den vergangen Jahren sich auf den richtigen Weg begeben und viele Labels haben Verträge mit Streaming-Diensten wie Spotify, Xbox Music, Google Play und vielen anderen geschlossen. Als Resultat folgt ein relativ homogenes Flatrate-Angebot bei jedem Dienst zu einem bezahlbaren Preis.

Für viele Serienfans war daher der Deutschlandstart von Netflix im September eine riesige Enttäuschung, auch wegen des lächerlichen Höhepunkts, das die Netlfix Serien "House of Cards" und "Orange is the new Black" aufgrund des Exklusivvertrags mit Sky Deutschland erst nach Ausstrahlung der Staffel auch auf Netflix verfügbar ist. 

Der Punkt der Exklusivverträge macht daher auch den Vorstoß der Streaming-Dienste in Deutschland mehr oder weniger nutzlos, da die Überschneidung der Angebote von Watchever, Amazon Prime Instant Video, Netflix und Maxdome eben dadurch viel zu gering ist. Dadurch reicht für viele Serienfans ein Portal nicht aus, wodurch die Angebote durch mehrere Abo's zu teuer werden.

Ein weiteres Ärgernis ist bei vielen Betreibern der fehlende Offline-Modus, um sich z.B. für eine längere Bahnfahrt oder einen Flug mit Material einzudecken, wo es eben kein Netz gibt, oder auch die schlechte Verfügbarkeit von Titeln in Originalton. Die deutsche Erstausstrahlung liegt bei vielen US-Serien ungefähr ein Jahr nach US-Start, der DVD release in beiden Ländern ungefähr 1 Jahr nach Erstausstrahlung. Somit wird es für viele Fans des OT erst 1 Jahr nach Erstausstrahlung möglich, durch den Import aus den UK die Serie zu schauen. Die Originalsprache bringt vor allem bei Sitcoms mehr Charme und Witz in die Serie, wenn auch die Deutsche Synchronisation nicht schlecht ist. Leider bieten auch die Streaming-Anbieter den OT erst mit Veröffentlichung der Folge/Staffel in Landessprache. Warum eine Veröffentlichung nicht zeitnah nach US-Ausstrahlung zur Verfügung steht wie in den USA, hat wieder lizenzrechtliche Gründe. 

Allerdings kann man das Beispiel USA inzwischen nicht mehr als Segen sehen, denn auch hier setzen die Broadcaster alles daran ihr Material in eigene Portale zu ziehen. Mit HBO und CBS eröffnen zwei Riesen ihre eigenen Plattformen und entziehen damit z.B. Netflix Serien, die auch dort nicht mehr zeitnah erscheinen; es bähert sich also dem Angebotsmodell in Deutschland.

 

Plattformen wie Kinox.to bieten dabei genau das, was die legalen Streaming-Plattformen noch nicht erfüllen können: Eine große Auswahl an Content in Original- und Landessprache zeitnah nach Ausstrahlung und für die Versorgung bei Reisen eine Möglichkeit sich die Daten lokal auf der Festplatte zu speichern. 

 

Jetzt sind auch die User dran 

Anfang November 2014 fanden nun auch Hausdurchsuchungen bei den Betreibern und Uploadern des Link-Tauschportals Boerse.bz statt. Im Gegensatz zu den Streaming-Seiten kino(x).to und Movie2/4k.to könnte es nun erstmals auch die User treffen.

Dies traf bisher nur Nutzer von P2P-Sharing und Torrents, da User hier systembedingt beim Downloaden gleichzeitig auch einen Upload für andere User anboten. Bei den Portalen wie Boerse.bz wird von Uploadern lediglich ein Link zu einen One-Click-Hoster, früher ein Synonym für den schweizer Anbieter Rapidshare, bereitgestellt wird, wo der User das File herunterladen kann.

boerse.bz
Das Angebot der Plattform hat dabei eine riesige Vielfalt, die das Serien und Film Angebot der .to-Seiten übertrifft. Neben Filmen und Serien werden Software, E-Books und auch pornographische Inhalte angeboten. 

Verschiedene Anwälte forderten schon bei den Kino(x) Ermittlungen die Verfolgung der User, da auch beim Buffern des Streams ein Teil der Video- und Audiospur im RAM kurzzeitig gespeichert wird. Da User von boerse.bz allerdings die komplette Datei auf der Festplatte speichern und diese nun zur festen Verfügung haben, ist nun wohl auch mit Abmahnungen für User zu rechnen.

 

Streaming in Deutschland - Sinnvoll?

Neben dem fehlenden Angebot der legalen Streaming Anbieter in Deutschland gibt es aber auch noch weitere Aspekte, welche Usern zusetzen. 

Anfang 2013 publizierte die Telekom ihre Pläne zur Drosselung ihrer Internet-Flatrates auf 384 kbit/s ab einem Überschreiten des monatlichen Datenvolumens von 75GB. Diese Ankündigung führte in der Netzgemeinde zu einem riesigen Aufschrei und die Umsetzung wurde der Telekom Ende 2013 gerichtlich untersagt. 

In Zeiten des digitalen Vertriebs von Software und Streaming war für viele Netzaffine die Telekom-Ankündigung ein schlechter Scherz, auch da die HD-Streams in naher Zukunft wohl von 4k- oder sogar 8k-Streams abgelöst werden, welche wesentlich größere Bandbreiten und Traffic beanspruchen.

Das in Deutschland in vielen Orten, dank dem fehlenden Netzausbau, gerade mal DSL light oder sogar überhaupt kein DSL verfügbar ist, führt auch dazu das viele Leute den illegalen Weg einschlagen, da Streaming keine Option ist.

 

Abschließend bleibt zu sagen, dass viele User von Streaming-Diensten wie auch meine Wenigkeit gerne bereit wären monatlich die doppelten Preise zu bezahlen, falls das Angebot stimmt; sowohl im Musik- als auch im Videostreaming. Eine Kulturflatrate wäre wohl der Traum vieler User.

 

 

Update 12.11.14

Das Forum boerse.bz ist nun seit gestern offline. Gründe dafür sind laut Abschiedsmessage der Betreiber die Ermittlungen gegen das Protal und seine Nutzer. boerse close

GVU-Geschäftsführer Matthias Leonardy äußerte sich gegenüber der Presse wie folgt:

Wir freuen uns über das Verschwinden von boerse.bz. Mit ihrem Verhalten folgen ihre Betreiber den Regeln allgemeiner Verbrecherlogik: Wenn die Einschläge näher kommen, weichen sie dem steigenden Verfolgungsdruck aus, indem sie versuchen, abzutauchen. Aber wir sind zuversichtlich, dass die Ermittlungsbehörden auch diesmal anhand der jetzt anstehenden Zeugenbefragungen und Auswertung anderer Beweismittel die Betreiber finden und zur Rechenschaft ziehen wird. Kino.to lässt grüssen.

Gelesen 1322 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 November 2014 12:25
David Christian

Ich bin Student der Sozioinfomatik an der TU KaiserslauternSeit meinem Abitur bin ich zudem am Fraunhofer IESE als Praktikant bzw. HiWi angestellt.

Dieser Blog entsteht im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Sozioinformatik" der TU Kaiserslautern.

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