Mittwoch, 25 Februar 2015 09:53

Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar,...

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Jeder kennt es, jeder hasst es - schnell das offizielle Musikvideo des Lieblingskünstlers anschauen und.... - "Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat". Eine Folge der Streitereien zwischen Youtube und der GEMA um die Vergütung, die bereits seit 2009 vor allem den Künstlern schadet.

Die GEMA – „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ ist die Verwertungsgesellschaft der Musiker, Komponisten und Textern. Neben 65.000 Mitgliedern aus Deutschland vertritt sie im Auftrag ausländischer VG’s die Nutzungsrechte von mehr als 2 Millionen Musikern bei Aufführungen und Verkauf in Deutschland. Forderungen kann die GEMA an alle stellen, die Musik öffentlich abspielen und hat 2012 damit ca 820 Millionen Euro eingenommen. Der Bürokratieapparat der Gesellschaft verschlang dabei knapp 130 Mio, sodass nur 692 Mio Euro an die Urheber ausgeschüttet wurden, obwohl die Gema nach eigenen Angaben keinerlei Gewinn macht.

Youtube gegen GEMA

Um ihren Künstlern auch an Einnahmen von Clicks auf Youtube-Clips mit ihren Inhalten zu beteiligen, fordert die GEMA Geld von der Videoplattform. Bis 2009 gab es eine Vereinbarung zwischen der VG und Youtube, welche sich seitdem auf keinen neuen Vertrag einigen können. Die GEMA fordert einen Anteil von 10,25% der Nettowerbeeinahmen oder zwischen 0,025 Ct und 0,6 Ct pro Klick, Google bietet eine niedrigere prozentuale Beteiligung.

Die Google-Tochter lehnt dies ab und beteuert, dass allein die Nutzer für eingestellte Videos verantwortlich seien und man mit den GEMA-Tarifen ein Verlustgeschäft eingehe. Grundsätzlich verweist Youtube auf das Urheberrecht des Creators und sieht sich selbst nur als Inhaber von Nutzungsrechten. Trotzdem befand das Landgericht Hamburg eine Störer-Haftung des US-Konzerns und damit als mitverantwortlich. Aktuell filtert Youtube beim Video-Upload automatisch GEMA-geschütztes Material und verweist auf den Urheberrechtsvertoß.

GEMA-Forderungen unverhältnismäßig

Betrachtet man nun die Forderungen der GEMA und vergleicht diese mit den Einnahmen der Webvideoproduzenten, kann man den Standpunkt der Videoplattform nachvollziehen. Die Verwertungsgesellschaft verlangt pro 1000 Aufrufe zwischen 25ct und 6 €. Die Einnahmen von Youtubern dürfen laut Google-Vertrag nicht öffentlich gemacht werden, liegen aber bei um die 1€ pro 1000 Aufrufe, und das nur, falls Werbung geschaltet und von den Usern nicht mit Werbeblockern vermieden wird. Grundsätzlich lassen sich Videos in der Kategorie „Musik“ nicht Monetarisieren.

Die Gema fordert also teilweise bis zu 6mal mehr als an die Video-Urheber ausgeschüttet wird und das pro geschütztem Inhalt.

Streit um die Tafel

Solange dieser Streit weiter geht, wird Google auch weiterhin Musikvideos offline schalten und mit der Info-Tafel versehen. Im Frühjahr 2014 klagte die GEMA vor dem Landgericht München gegen den Text der Tafeln, da Youtube damit die GEMA damit als alleinigen Schuldigen darstelle und bekam Recht. Seit dem heißt es lediglich „…über deren Verwendung wir uns mit der GEMA bisher nicht einigen konnten“.

Während GEMA und Youtube weiterstreiten leiden die Künstler. Viele Künstler besitzen bereits eigene Youtube-Kanäle und promoten darüber ihre Alben. Die Hochzeit von MTV und VIVA ist vorbei, Youtube die Plattform mit der größeren Reichweite um Musik-Videos zu verbreiten. Als Urheber dürften sie eigentlich selbst entscheiden, doch aufgrund der Streitigkeiten werden ihre Videos in Deutschland oft gesperrt, da Google Lizenzgebühren fürchtet.

Youtube verweist schon seit einer gefühlten Ewigkeit bei Musikinhalten in Videos automatisiert auf Titel und Künstler und bietet u.a. eine Direktlink zu iTunes, doch die ganze Werbung für den Künstler wird durch die fehlende Kompromissbereitschaft von Youtube und Gema zu Nichte gemacht. 

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Gelesen 910 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 25 Februar 2015 10:49
David Christian

Ich bin Student der Sozioinfomatik an der TU KaiserslauternSeit meinem Abitur bin ich zudem am Fraunhofer IESE als Praktikant bzw. HiWi angestellt.

Dieser Blog entsteht im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Sozioinformatik" der TU Kaiserslautern.

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