Samstag, 21 Februar 2015 11:56

Geld verdienen mit Let's Plays - Verletzung des Urheberrechts oder Werbung?

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Nintendo Affiliate-Programm Nintendo Affiliate-Programm Bild ©Nintendo

Vorm PC sitzen, spielen und damit Geld verdienen - der Traum eines jeden Gamers. Youtube Größen wie Gronkh, Sarazar,  das Team von Pietsmiet oder PewDiePie, der größte Youtuber der Welt, verdienen so ihren Lebensunterhalt.

 

Dabei schauen ihnen Millionen zu ( Gronkh ca 3,5 Mio Abonnenten, Sarazar ca 1,5Mio, Pietsmiet ca 2 Mio, PewDiePie über 34,5 Mio Abo's) und erfreuen sich mit ihnen zusammen unteranderem an Entdeckungsreisen in Minecraft oder Überlebenskämpfen in DayZ. Entweder im Livestream bei Twitch oder in den Videos auf Youtube.

PewDiePie verdient mit über 7 Milliarden Aufrufen geschätzt an die 7 Mio. US-Dollar im Jahr und wird inzwischen sogar auf Verpackungen zitiert, wo bisher die Videospielpresse abgedruckt wurde.

Nintendo fordert Geld

Viele Publisher erfreuen sich an Let's Plays zu ihren Spielen und der damit folgenden Werbung. Dem Indie-Titel Minecraft wird sein Bekannheit vor allem durch die LP-Szene nachgesagt und somit der Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar den Microsoft für das Entwicklerstudio Mojang bezahlte.

Nintendo sieht das anders und fordert von Youtubern die mit ihren Inhalten Geld verdienen einen Anteil. Im Jahr 2013 meldete sich Nintendo bereits bei Youtube und ließ die Werbegelder von sämtlichen Let's Plays an Nintendo statt den Youtuber zahlen, was nach massiver Kritik zurückgezogen wurde. Nach vielen weiteren Versuchen stellten die Japaner nun im Januar 2015 mit dem "Affiliate-Programm" ihr neues Konzept zur Monetarisierung vor.

Webvideo-Produzenten müssen demnach jedes Video mit Nintendo-Inhalten, neben Videos nit Spielinhalten also auch Trailer und Pressematerial, auf der Seite des Programms anmelden. Bis zur Veröffentlichung des Videos können dann bis zu 3 Tage vergehen, was Gift für jedes Test-oder News-Format ist. Alternativ kann ein ganzer Kanal der ausschließlich Nintendo-Inhalte anzeigt angemeldet werden. In beiden Fällen kassiert Nintendo einen Anteil der Werbeeinnahmen, bei Einzelanmeldung 40%, bei Kanalanmeldung 30%. Zudem sichert sich der Publisher das Recht, die Inhalte zu verwenden und zu modifizieren. Die Auszahlung an den Paypal-Account des Videoproduzenten kann bis zu 2 Monate dauern und betrifft nur ausgewählte Spiele, die auf einer Whitelist stehen.

Nach der Vorstellung des Programms hagelte es Kritik, vorallem da freies Pressematerial, welches von Print-Spielemagazinen kostenfrei abgedruckt werden darf, auf Youtube mit 40% der Einnahmen "bezahlt" werden muss. Viele Let's Player kündigten an, auf Nintendo-Inhalte zu verzichten.

Electronic Arts bezahlt Let's Plays

Viele Publisher sind dagegen der LP-Szene weit offener, darunter z.B. Microsoft und Electronic Arts. Microsoft stellte Anfang des Jahres lediglich einige Regeln zu Let's Plays ihrer Spiele auf. Demnach ist die Monetarisierung auf Youtube und Twitch ausdrücklich erlaubt, solange die Videos frei zugänglich sind. Zudem müssen verschiedene Links zum Microsoft-Programm sowie die Einhaltung verschiedener Regeln vorhanden sein. 

Urheberrechte Dritter, wie lizensierte Fahrzeuge oder Musik müssen zusätlich von den jeweiligen Rechteinhabern eingeholt werden. Dies ist nicht mehr als eine Lizenzrechtliche Absicherung von Microsoft.

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Noch einen schritt weiter geht Electronic Arts. Mit einer kostenfrei erhältlichen Duldungserklärung kann man LP's von Spielen des Publishers anfertigen. Nimmt man zudem noch im Ronku Programm teil, kann man an Werbekampangen für Spiele-oder DLC-Starts teilnehmen und mit einem Video zusätzlich Geld verdienen. Für den Launch von Battlefield 4 konnte man 10$/1.000 Views verdienen, wenn man in seinem Video/Let's Play über das Levolution-Feature redete sowie Glitches und Bugs nicht thematisierte. 

 

Meiner Meinung macht Nintendo mit ihrem System einiges verkehrt und wird die menge an Videos mit ihren Inhalten drastisch reduzieren. Für viele Let's Player ist eine Zahlung zwei Monate nach Veröffentlichung einfach zu lang, vorallem für die, die davon Leben, und für viele Newsformate mit der Prüfungsdauer zu sperrig. Ob EA mit ihrem finanziertem Modell den richtigen Weg geht wird sich zeigen, ist aber, wie auch Unternehmen wie Microsoft oder Ubisoft die unter minimalen Anforderungen ihr okay geben, für Webproduzenten die wirklich lohnendere Wahl.

Vorallem Indie-Studios werden sich aber weiter über jeden freuen, der ihr Spiel kostenfrei supportet.

Gelesen 1326 mal Letzte Änderung am Samstag, 21 Februar 2015 14:36
David Christian

Ich bin Student der Sozioinfomatik an der TU KaiserslauternSeit meinem Abitur bin ich zudem am Fraunhofer IESE als Praktikant bzw. HiWi angestellt.

Dieser Blog entsteht im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Sozioinformatik" der TU Kaiserslautern.

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